Der europäische Gebrauchtwagenmarkt für Elektrofahrzeuge ist derzeit noch unterentwickelt, obwohl bereits mehr als jeder fünfte Neuwagen in Europa rein elektrisch fährt. Dies führt zu einer verstärkten Internationalisierung im Handel, wovon vor allem große B2B-Auktionsanbieter profitieren, berichtet die Automobilwoche.
„Wir wachsen deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Das gilt insbesondere für das Geschäft mit E-Autos,“ sagte Denis Belan, Deutschlandchef der B2B-Sparte von Auto1, dem Branchenportal. Bei Auto1 stieg das europaweite Handelsvolumen mit gebrauchten E-Autos demnach im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 200 Prozent, in Deutschland sogar um 225 Prozent. Im Gegensatz dazu nahmen die Besitzumschreibungen von batterieelektrischen Fahrzeugen hierzulande im ersten Halbjahr lediglich um 72 Prozent zu.
Drei Viertel der über Auto1 gehandelten E-Autos werden exportiert. Gründe für den hohen Exportanteil sind nach Angaben von Belan Lücken und kurzfristige Überangebote auf den lokalen Märkten. Viele gebrauchte Elektroautos stammten derzeit aus dem gewerblichen Bereich, da private Besitzer ihre Fahrzeuge meist länger halten. Ein Anstieg durch private Rückläufer werde erst um 2030 erwartet.
Im gewerblichen Sektor können große Mengen identischer Fahrzeuge, etwa durch Leasingrückläufer, gleichzeitig auf den Markt gelangen. Da lokale Märkte solche Angebotsspitzen oft nicht aufnehmen können, werden die Fahrzeuge über Auktionsanbieter wie Auto1, BCA oder Autobid europaweit verteilt. Im zweiten Quartal war das meistgehandelte Modell bei Auto1 in Deutschland der Ora 3 von Great Wall Motors, obwohl zu Beginn des Jahres nur knapp 5800 Exemplare des China-Elektroautos in Deutschland zugelassen waren.
Deutschland nimmt als Abnehmer für gebrauchte Elektroautos eine untergeordnete Rolle ein und belegt im Ranking der Zielländer für elektrische Fahrzeuge den siebten Platz, hinter Ländern wie Rumänien und Portugal. Die meisten Fahrzeuge von Auto1 gehen nach Frankreich, Spanien oder in die Niederlande. Zudem gehören Ungarn und Polen zu den Top Ten.
„Die osteuropäischen Länder holen bei E-Autos rasant auf“, sagte Belan der Automobilwoche. Deutsche Verbraucher hätten bei gebrauchten elektrischen Autos noch immer viele Vorbehalte. Das ändere sich erst jetzt mit den Preissprüngen an Zapfsäulen.
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