Ferrari hat kürzlich die technische Plattform des ersten rein elektrischen Modells der Firmengeschichte präsentiert. Im Gespräch mit dem Manager Magazin äußerte sich CEO Benedetto Vigna zum „Elettrica“.
Gleich zu Beginn sagte er, dass Ferrari beim kommenden Elektroauto keine Geräusche imitieren werde. „Aber seien Sie sicher: Der Sound wird bei Ferrari immer zum Fahrerlebnis beitragen, egal ob von einem Verbrennungsmotor, einem Hybrid- oder einem Elektroantrieb.“ Dazu nutzt man die mechanischen Vibrationen des Antriebsstrangs als Klangquelle.
Der erste nur mit Strom betriebene Ferrari soll im nächsten Jahr auf den Markt kommen. Häufig seien Elektroautos schwer und schwerfällig, das Gegenteil davon, wie Sportwagen sein sollten, sagte Vigna. „Wir haben es bei unserem Ferrari Elettrica geschafft, das Gewicht gering zu halten, und können den Leuten so weiter viel Spaß am Fahren bieten.“ Außerdem ersetzten die Italiener das Schalten durch sogenanntes „Torque Shift Engagement“, das Verändern des Drehmoments am Lenkrad.
Trotz der großen technischen Ambitionen hat Ferrari die Absatzprognose für seine E-Sportler gesenkt: Statt 40 Prozent Elektro-Anteil 2030 erwartet man nun 20 Prozent. „Wir haben unsere Absatzprognose nicht nach unten korrigiert, sondern die Antriebsstruktur unseres Modellportfolios angepasst“, erklärte der CEO. „40 Prozent Verbrenner, 40 Prozent Plug-in-Hybride und 20 Prozent Elektrofahrzeuge.“ Das sei sehr kurzfristig gekommen, nachdem man mit Kunden gesprochen, Trends beobachtet und sich über neue Anbieter informiert habe. Man wolle dem Kapitalmarkt Ziele präsentieren, die man einhalten kann.
„Wir haben die Anzahl der von uns entwickelten Elektroautomodelle ein wenig reduziert“
„Wir haben die Anzahl der von uns entwickelten Elektroautomodelle ein wenig reduziert, das ist alles“, so Vigna. „Wir werden deshalb kein Auto weniger verkaufen. Normalerweise reicht unser Auftragsbestand für 20 bis 24 Monate. Wir sind bis 2027 ausverkauft.“ Zu einem möglichen zweiten vollelektrischen Ferrari wollte er sich nicht äußern. Der Firmenboss stellte aber klar, dass die Marke Modelle nicht sowohl mit reinem E-Antrieb oder als Verbrenner anbieten werde.
„Der Elektroantrieb bietet unseren Designern viel mehr Gestaltungsfreiheit als der Verbrennungsmotor“, erklärte Vigna. „Der Motor ist deutlich kleiner und kann ganz nah an der Vorderachse eingebaut werden. Das bedeutet Fahrspaß wie bei einem Motorrad. Verstehen Sie, was ich meine? Man verschwendet den Vorteil der neuen Technologie, wenn man das Auto als Kompromiss konzipiert.“
Ferrari könnte in diesem Jahr zum ersten Mal mehr als 14.000 Autos verkaufen. Einzigartigkeit und Exklusivität seien für die Marke wichtig, betonte der CEO. „Unsere Kunden sollen sich verwöhnt und umsorgt fühlen. Sie müssen sehen, dass wir besondere Produkte herstellen“. Ferrari steht für Handwerkskunst und Luxus. Die Handwerkskunst liege bei den Italienern – neben dem Motor – eher auf der Designseite, so Vigna. Mit Blick auf die Elektronik mache den Unterschied die Art und Weise, wie man sie benutzt.
Der börsennotierte Sportwagenhersteller wolle „auf die richtige Art“ wachsen, unterstrich der Unternehmenschef. „Wir verkaufen nicht einfach Autos, sondern gehen mit unseren Kunden eine Beziehung ein. Bei einem emotionalen Produkt wie Ferrari ist diese Beziehung sehr persönlich. Unsere Kunden brauchen Zeit, um die Marke kennenzulernen. Von Kunden, die sagen, ich möchte fünf Ferraris auf einen Schlag kaufen, halten wir uns fern.“ Bei Ferrari gehe es „um Knappheit, um Einzigartigkeit, um Exklusivität“.
Abschließend versicherte Vigna, dass Ferrari seine Aktivitäten bis 2030 klimaneutral gestalten wolle.
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