Der Zulieferer- und Technologiekonzern Bosch plant einen umfassenden Umbau seiner Unternehmensstruktur. Wie das Unternehmen mitteilte, sollen der Geschäftsbereich Mobility sowie die zentralen Serviceeinheiten Bosch Digital, Global Business Services und Global Real Estate in Deutschland in vier eigenständige Tochtergesellschaften überführt werden. Die neuen Gesellschaften bleiben vollständig im Besitz der Bosch-Gruppe und sollen zum 1. August 2027 ihre operative Arbeit aufnehmen. Die Neuordnung soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein.
Von der Umstrukturierung sind rund 62.500 Beschäftigte in Deutschland betroffen, deren Arbeitsverträge auf die neuen Gesellschaften übergehen sollen. Die Robert Bosch GmbH wird sich künftig vor allem auf die Konzernzentrale sowie die zentrale Forschung und Vorausentwicklung mit zusammen mehr als 3000 Beschäftigten konzentrieren. Bosch will den operativen Einheiten größere unternehmerische Freiheiten einräumen, Entscheidungsprozesse verkürzen und die Zusammenarbeit mit Kunden vereinfachen. Für die Mobilitätssparte sollen sich dadurch auch zusätzliche Möglichkeiten für strategische Partnerschaften und neue Geschäftsmodelle ergeben.
Der Umbau erfolgt vor dem Hintergrund erheblicher wirtschaftlicher Herausforderungen in der Automobilzulieferindustrie. Bosch erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen Konzernumsatz von 46,4 Milliarden Euro, während die operative EBIT-Rendite von 5,1 auf 4,6 Prozent zurückging. Im Geschäftsbereich Mobility sank der Umsatz nominal um 0,5 Prozent auf 27,8 Milliarden Euro, wechselkursbereinigt stieg er dagegen um 2,3 Prozent. Die operative Rendite verringerte sich von 5,8 auf 4,7 Prozent. Belastend wirkten neben der stagnierenden Automobilproduktion auch Wertminderungen auf Produktionsanlagen in Höhe von 270 Millionen Euro, die Bosch mit dem gegenüber früheren Erwartungen verzögerten weltweiten Hochlauf der Elektromobilität begründet.
E-Mobilität und China erhöhen Druck auf Zulieferer
Gleichzeitig verändert die Elektrifizierung die Anforderungen an die Zulieferer. Während Komponenten für Verbrennungsmotoren langfristig an Bedeutung verlieren, wächst der Markt für elektrische Antriebe, Leistungselektronik, Fahrzeugsoftware und elektronische Steuerungssysteme. Allerdings verläuft der Umstieg regional unterschiedlich: Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) entfielen 2025 in China bereits knapp 55 Prozent der Neuwagenverkäufe auf Elektroautos und Plug-in-Hybride, in Europa waren es 28 Prozent. Für Zulieferer wie Bosch erschwert diese unterschiedliche Marktentwicklung die Planung von Entwicklungsinvestitionen und Produktionskapazitäten.
Hinzu kommt die wachsende Konkurrenz chinesischer Fahrzeug- und Komponentenhersteller. Nach Berechnungen der IEA entfielen 2025 rund 60 Prozent der weltweit verkauften Elektroautos auf chinesische Automobilhersteller. Zudem produzierte China mehr als 80 Prozent der globalen Batteriezellen. Die starke Stellung chinesischer Unternehmen in der Elektromobilität erhöht den Wettbewerbsdruck auf europäische Anbieter, insbesondere bei Kosten, Entwicklungsgeschwindigkeit und der Integration neuer Technologien. Bosch-Chef Christian Fischer verwies bei der Ankündigung des Konzernumbaus ausdrücklich auf neue Wettbewerber vor allem aus Asien und die Notwendigkeit, Innovationen schneller auf den Markt zu bringen.
Mit der rechtlichen Verselbstständigung soll Bosch Mobility künftig seine Geschäftsaktivitäten stärker bereichsübergreifend steuern und Finanzmittel gezielter in Innovationen und Wachstumsfelder investieren können. Der Unternehmensbereich bleibt mit einem Umsatz von 55,8 Milliarden Euro im Jahr 2025 und einem Anteil von rund 60 Prozent am Konzernumsatz das größte Geschäftsfeld der Gruppe. Konkrete Änderungen am Produktportfolio sind nicht Bestandteil der angekündigten gesellschaftsrechtlichen Neuordnung.
„Mit der nun geplanten Neuordnung unserer Unternehmensstrukturen schaffen wir die Voraussetzungen, dass jede Geschäftseinheit ihr volles Potenzial entfalten kann – mit größerem unternehmerischen Handlungsspielraum, kurzen Entscheidungswegen und nah am Kunden“, sagt Christian Fischer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH.
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