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Studie: Auswirkungen der Autowende auf Beschäftigung und Qualifikationen

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Mehr als sechs Millionen Menschen arbeiten direkt im Automobilsektor der Europäischen Union. Eine neue gemeinsame Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Europäischen Kommission beschreibt einen tiefgreifenden Strukturwandel durch Elektrifizierung, Digitalisierung, wachsenden Wettbewerb aus China und demografische Veränderungen.

Die Gesamtbeschäftigung in der Branche blieb demnach zwischen 2008 und 2025 zwar weitgehend stabil. Dahinter stehen jedoch ein Beschäftigungsrückgang in Fahrzeugfertigung und Zulieferindustrie seit 2019 sowie eine Verlagerung von traditionellen westeuropäischen Automobilstandorten nach Mittel- und Osteuropa.

Besonders die industrielle Produktion steht unter Druck. Nach den von OECD und EU-Kommission ausgewerteten Daten ging die Beschäftigung in der Fahrzeugfertigung zwischen 2019 und 2023 um knapp neun Prozent zurück. Auch die Zulieferindustrie verlor in diesem Zeitraum zahlreiche Arbeitsplätze, während 2024 und Anfang 2025 größere Restrukturierungsankündigungen zunahmen. Die Veränderungen treffen die europäischen Regionen unterschiedlich: Mittel- und Osteuropa haben in den vergangenen Jahren einen größeren Anteil an Montage- und Zulieferbeschäftigung übernommen, während traditionelle Automobilregionen in Westeuropa relativ an Gewicht verloren.

Parallel verändern Elektrifizierung und Digitalisierung die Lieferketten. Der Anteil von Vorleistungen aus anderen EU-Staaten stieg laut der aktuellen Studie von 18 Prozent im Jahr 1995 auf 25 Prozent im Jahr 2025. Gleichzeitig nahm die Abhängigkeit von chinesischen Lieferanten insbesondere bei Batterien und fortgeschrittener Elektronik zu. Damit verschiebt sich die industrielle Wertschöpfung nicht nur innerhalb Europas, sondern auch in Richtung neuer technologischer Komponenten und internationaler Zulieferstrukturen.

Neue Anforderungen an Beschäftigte

Der Strukturwandel verändert zugleich die Anforderungen an die Beschäftigten. Fast 80 Prozent der Beschäftigten in der Fahrzeugfertigung berichten laut OECD und EU-Kommission von erheblichen Veränderungen ihres Arbeitsumfelds. Rund ein Drittel erlebt diese Veränderungen ohne begleitende Weiterbildung; bei Zulieferern liegt der Anteil bei etwa 40 Prozent. Große Fahrzeughersteller verfügen der Untersuchung zufolge häufiger über etablierte Weiterbildungssysteme und Verfahren zur frühzeitigen Erkennung neuer Qualifikationsanforderungen. Kleinere Zulieferer und Unternehmen im Fahrzeugvertrieb sind dafür im Durchschnitt weniger gut ausgestattet.

Besonders hoch sind die finanziellen Folgen eines Arbeitsplatzverlusts. Beschäftigte der Autoindustrie, die infolge größerer Entlassungen oder Betriebsschließungen ihren Arbeitsplatz verlieren, erzielen im ersten Jahr danach im Durchschnitt ein um 57 Prozent niedrigeres Einkommen als vergleichbare Beschäftigte, die ihren Arbeitsplatz behalten. Im Dienstleistungssektor beträgt dieser Einkommensabstand nur 43 Prozent. Auch langfristig bleibt ein deutlicher Unterschied bestehen: Sechs Jahre nach dem Arbeitsplatzverlust liegen die Einkommen der betroffenen Beschäftigten noch 20 bis 25 Prozent unter denen vergleichbarer Arbeitnehmer ohne Arbeitsplatzverlust. Grundlage der Analyse sind harmonisierte Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Daten aus elf europäischen OECD-Ländern.

Auf EU-Ebene sollen deshalb neue Instrumente den Wechsel in andere Beschäftigung unterstützen. Die Europäische Kommission startete Ende 2025 den Förderaufruf für eine mit 14,5 Millionen Euro ausgestattete „European Skills Guarantee“. Im Juli 2026 waren sechs Pilotprojekte angelaufen, die knapp 1000 Beschäftigte der Autoindustrie mit Arbeitsplatzrisiko durch Weiterbildung, Umschulung und Unterstützung beim Übergang in wachsende oder strategische Branchen erreichen sollen. Die Projekte werden unter anderem in Deutschland, Österreich, Italien, Polen, der Slowakei und mehreren weiteren EU-Staaten umgesetzt.

Automobile Magazine-Germany

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