Umfrage zeigt wachsende Zweifel an Baden-Württembergs wirtschaftlicher Zukunft

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Die Menschen im Autoland Baden-Württemberg verlieren laut einer Allensbach-Umfrage im Auftrag der Unternehmer Baden-Württemberg (UBW) zunehmend das Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Bei der Vorstellung der Ergebnisse betonte UBW-Präsident Thomas Bürkle dem Portal Schwäbische.De zufolge: „Die industrielle Basis unseres Landes wird nicht mehr als Selbstverständlichkeit wahrgenommen.“ Viele Bürger im Südwesten sorgten sich inzwischen konkret um ihren Arbeitsplatz.
Bürkle verwies darauf, dass die tiefe Besorgnis weit über kurzfristige Stimmungsschwankungen hinausgehe. Sechs Krisenjahre in Folge hätten besonders die Industrie belastet und wirkten nun zunehmend auf die gesamte Gesellschaft. Die Bevölkerung erkenne zwar, dass der Wohlstand des Landes von seiner Wirtschaftskraft abhängt, doch genau diese Basis sei gefährdet.
Laut Renate Köcher vom Institut für Demoskopie Allensbach blickt die Mehrheit der Bürger kritisch auf die Lage der Industrie. Zugleich bestehe große Einigkeit über deren zentrale Bedeutung. 79 Prozent befürchten der Umfrage nach, dass ein weiterer Niedergang der Industrie den Wohlstand bedrohen würde. Besonders in der jungen Generation wächst die Angst, das Wohlstandsniveau der Eltern nicht mehr erreichen zu können.

Die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung, die im Sommer noch verbreitet war, hat sich längst verflüchtigt. Die Befragten rechnen überwiegend mit steigender Arbeitslosigkeit. Knapp ein Fünftel der Erwerbstätigen sorgt sich konkret um den eigenen Job, vor allem jüngere Beschäftigte und Männer, die häufig in industriellen Berufen arbeiten. Trotz dieser Ängste zeigt sich der Arbeitsmarkt derzeit noch relativ stabil.
„Die Menschen sehen, wie die wirtschaftliche Substanz schwindet“
„Die Menschen sehen, wie die wirtschaftliche Substanz schwindet. Und sie ziehen daraus konkrete Schlüsse: für ihren Wohlstand, ihre Arbeit, ihre soziale Sicherheit“, sagte UBW-Hauptgeschäftsführer Oliver Barta. „Das ist kein Alarmismus, sondern ein nüchterner Befund. Und er deckt sich mit dem, was uns viele Unternehmen seit Jahren berichten, aber auch die verschiedensten Branchenstudien zeigen.“ Jobs gingen verloren, Insolvenzen und Unternehmensaufgaben nähmen spürbar zu. Und viele Firmen investierten inzwischen vornehmlich im Ausland.
Zentral für die Sorgen der Bewohner Baden-Württembergs dürften die Probleme der tief in der Region verwurzelten Automobilindustrie sein. Bei mercedes-Benz und auch dem zum Volkswagen-Konzern gehörenden Sportwagenbauer Porsche läuft es derzeit nicht gut. In Baden-Württemberg sind auch viele Zulieferer der Autoindustrie angesiedelt. Nahezu eine halbe Million Jobs in der Region hängen – direkt oder indirekt – mit der Autoindustrie zusammen.
Die Erwartungen an die Politik seien klar formuliert, sagte Barta: weniger Bürokratie, verlässliche Prozesse und bessere Rahmenbedingungen. Neue Subventionen hingegen wünsche sich die Bevölkerung eher nicht.
Entscheidend ist aus UBW-Sicht, dass die Landesregierung die Innovationskraft des Standorts sichert. „Ohne technologische Führerschaft verliert ein Hochlohnstandort wie unserer schnell an Gewicht“, mahnte Bürkle. Baden-Württemberg brauche schnellere Transfers von Forschung in die Wirtschaft, technologieoffene Förderung und bessere Bedingungen für Start-ups. Beim Bürokratieabbau müsse engagierter vorgegangen werden. Daneben seien eine wettbewerbsfähige Energieversorgung sowie die Stärkung der Arbeitskräftebasis unerlässlich.
Trotz aller Probleme betonte Barta die weiterhin starke Position des Landes. Der Südwesten sei nach dem Großraum Boston und Kalifornien die drittinnovativste Region weltweit. Diese Stärke müsse erhalten bleiben.

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