TransnetBW und Octopus Energy haben ihr Pilotprojekt OctoFlexBW abgeschlossen. Alle digitalen und energiewirtschaftlich konformen Prozesse sind demnach erfolgreich aufgebaut worden, um das Flexibilittspotential von ber 700 Elektrofahrzeugen fr die Erbringung von Redispatch zu heben.
Mit der Integration der Elektrofahrzeuge aus Privathaushalten haben TransnetBW und Octopus Energy eindrucksvoll gezeigt, dass die von uns verfolgte marktliche Lsung fr das Netzengpassmanagement einwandfrei funktioniert und fr den Markthochlauf bereit ist. Nun gilt es, das bestehende kostenbasierte Redispatch-Regime auf Basis der Erkenntnisse aus dem OctoFlexBW-Projekt um eine marktbasierte Komponente, also Redispatch 3.0, fr dezentrale Flexibilitt zu erweitern, so Oliver Strangfeld vom bertragungsnetzbetreiber TransnetBW.
Mit einer Flotte von 700 Elektrofahrzeugen habe das Projekt bereits eine tgliche Abrufmenge von 2 Megawattstunden (MWh) realisieren knnen. Hochgerechnet auf eine Million Stromer entsprche dies einer Kapazitt von 3 Gigawattstunden (GWh) pro Tag. Die Auswertung zeigt: Schon eine Million E-Fahrzeuge knnen durch intelligente Steuerung jhrlich bis zu 0,5 Terawattstunden (TWh) Energie fr das Stromnetz bereitstellen und damit 3 bis 5 Prozent des gesamten jhrlichen Redispatch-Bedarfs in Deutschland kostengnstig decken.
Auch weitere dezentrale Flexibilittspotenziale, wie aus Wrmepumpen, Heimspeichern und Klimatechnik, knnen in Zukunft einen signifikanten Beitrag zum Netzengpassmanagement leisten. Nun gilt es laut den Projektverantwortlichen, dieses Potenzial netzdienlich zu nutzen, um perspektivisch den Redispatch-Kosten zu senken und gleichzeitig Treibhausgasemissionen zu vermeiden, da weniger fossile Kraftwerke hochgefahren werden mssen.
„Echter finanzieller Anreiz fr die Menschen“
Verbraucher sind heute schon der grte Treiber der Elektrifizierung in Deutschland. Jetzt haben wir die Wahl: Entweder bezahlen die Verbraucher den teuren Redispatch. Oder sie stellen ihre Flexibilitt zur Verfgung und lassen sich bezahlen. Wenn wir Elektrofahrzeuge, Wrmepumpen und Speicher intelligent einbinden, entlasten wir nicht nur das System, sondern schaffen einen echten finanziellen Anreiz fr die Menschen. Zusammen mit TransnetBW haben wir gezeigt, dass das keine Zukunftsmusik ist. Wir knnen solche Lsungen hier und heute implementieren. Alles, was wir dafr brauchen, ist eine freie Bahn in der Regulatorik und ein Smart Meter in jedem Haushalt, sagt Bastian Gierull, deutscher CEO von Octopus Energy.
Die Rckmeldungen der teilnehmenden E-Fahrzeug-Fahrer aus privaten Haushalten sind laut Octopus Energy durchweg positiv. Im OctoFlexBW-Projekt zeigte sich, dass die meisten Kunden die netzdienliche Steuerung gar nicht bemerkt haben. Sie konnten zu jederzeit angeben, wann ihr Elektrofahrzeug wieder geladen sein sollte, und mussten so keine Komforteinbuen hinnehmen, heit es. In einem speziellen Tarif von Octopus Energy profitierten sie von deutlich gnstigeren Ladepreisen.
So lief das Projekt OctoFlexBW ab
Octopus Energy plant die Ladevorgnge seiner Kunden so, dass die Batterie am Morgen ausreichend geladen ist und der Ladevorgang mglichst gnstig erfolgt. Zustzlich wird das Verschiebepotenzial mithilfe der IT-Plattform KrakenFlex ermittelt. Diese sendet die aggregierten Informationen an die TransnetBW-Plattform DA/RE (DAtenaustausch/REdispatch). Im Falle einer prognostizierten Netzberlastung stellte die Systemfhrung von TransnetBW ber DA/RE ein entsprechendes Abrufsignal zur Verfgung. KrakenFlex bersetzte dieses Signal in eine angepasste Ladestrategie und nutzte es zur Koordination der angeschlossenen Elektrofahrzeuge.
Die verbindlich von Octopus Energy abgerufenen Kapazitten bzw. Lastverschiebungen dienten somit der Netzstabilitt, whrend die Kundinnen und Kunden von gnstigeren Stromkosten fr das Laden ihres Elektrofahrzeugs profitierten, so das Unternehmen. Die sehr schnelle Umsetzung dieser komplexen Prozesskette, die von der Wallbox in der heimischen Garage bis in die Systemfhrung von TransnetBW reicht, wurde durch die Kopplung der beiden IT-Plattformen DA/RE und KrakenFlex ermglicht.
Im Rahmen von OctoFlexBW wurden alle End-to-End-Prozesse vollstndig aufgebaut, getestet, integriert und automatisiert. Auch die Bilanzierung wurde erfolgreich getestet. Die Steuerung der Ladevorgnge funktionierte zuverlssig und alle Fahrzeuge stellten im Bedarfsfall die angeforderte Flexibilitt bereit. Im Projekt wurden wertvolle Daten und Erkenntnisse gesammelt, heit es weiter.
Die Zusammenarbeit von TransnetBW und Octopus Energy wird im Forschungsprojekt DataFleX fortgesetzt. Dabei sollen weit ber 1.000 Elektrofahrzeuge zur Bereitstellung von Flexibilitt angeschlossen und in die Bilanzierung integriert werden. Auch Heimspeicher werden in das Projekt integriert. Wichtig ist laut den Kooperationspartner nun ein regulatorischer Rahmen fr die Anerkennung der Abrufkosten fr bertragungsnetzbetreiber, um das Potenzial haushaltsnaher Flexibilitten fr das Gesamtsystem zu heben und damit perspektivisch die Netzentgelte zu senken.
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