Die Ertragslage der globalen Automobilindustrie bleibt im ersten Halbjahr 2026 angespannt, wobei große chinesische Hersteller ihre finanzielle Performance durch einen stark steigenden Exportanteil verbessern. Das geht aus dem „AutomotivePerformance Report“ des Center of Automotive Management (CAM) hervor. Die Studie untersucht die Finanzperformance von 25 global führenden Autobauern anhand von Umsatz, Konzern-EBIT, EBIT-Marge und EBIT je ausgeliefertem Pkw.
In der aktuellen Auswertung werden auch wichtige chinesische Hersteller wie Chery, BYD, Geely, SAIC, Great Wall Motor, Changan, Nio, XPeng und Li Auto berücksichtigt. Über alle untersuchten Hersteller hinweg sinkt das gemeinsame EBIT gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16,3 Prozent, während der Umsatz lediglich um 1,0 Prozent zurückgeht. Die umsatzgewichtete EBIT-Marge liegt bei 3,5 Prozent, nach 4,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Auch das durchschnittliche Konzern-EBIT je ausgeliefertem Pkw bleibt unter Druck: Es fällt von 1199 Euro auf 1027 Euro, ein Rückgang um 14,3 Prozent.
Auffällig ist insbesondere die Position der chinesischen Hersteller: Mehrere der exportstärksten chinesischen Automobilkonzerne weisen vergleichsweise hohe EBIT-Margen auf. Chery erreicht mit 7,8 Prozent sogar die zweithöchste EBIT-Marge im gesamten Herstellervergleich, während auch BYD, SAIC, Great Wall Motor und Geely profitabel arbeiten. Damit zeigt sich eine sichtbare Überschneidung zwischen internationaler Exportstärke und operativer Profitabilität.¹
Studienleiter Stefan Bratzel: „Die neue Auswertung der Finanzergebnisse bestätigt die grundlegende Diagnose der vorigen Studie. Die Umsätze der Automobilhersteller bleiben vergleichsweise stabil, während die operative Ertragskraft deutlich stärker zurückgeht. Gleichzeitig zeigt sich, dass einige chinesische Hersteller inzwischen nicht nur bei Volumen und Wachstum, sondern auch bei der Profitabilität wettbewerbsfähig sind.“
Die Einbeziehung der chinesischen Hersteller verändert das Gesamtbild leicht. Eine frühere CAM-Zwischenauswertung, die zunächst 15 etablierte globale Automobilhersteller umfasste, hatte noch einen EBIT-Rückgang von 17,5 Prozent, ein Umsatzminus von 1,4 Prozent sowie einen Rückgang des EBIT je Pkw um 16 Prozent ergeben. Die breitere Datenbasis zeigt damit einen etwas geringeren Ergebnisrückgang, bestätigt jedoch den grundsätzlichen Befund einer deutlich stärker sinkenden Ertragskraft gegenüber der Umsatzentwicklung.
Chinesische Exportführer mit positiven Margen
Die chinesischen Hersteller haben bei Umsatz und absolutem EBIT bislang überwiegend noch nicht die Größenordnung der führenden etablierten Automobilkonzerne erreicht. Eine Ausnahme bildet BYD, das mit umgerechnet rund 43,3 Milliarden Euro Umsatz bereits auf dem Niveau von Tesla liegt und mit rund 1,85 Milliarden Euro EBIT zu den ertragsstärkeren chinesischen Herstellern zählt. Chery erreicht bei deutlich geringerer Umsatzgröße von rund 18 Milliarden Euro ein EBIT von 1,41 Milliarden Euro und damit eine überdurchschnittlich hohe Profitabilität. Auch beim EBIT je Pkw liegen Chery mit rund 1040 Euro und BYD mit rund 1025 Euro nahe am Durchschnitt der untersuchten Hersteller von 1027 Euro, während SAIC, Geely und Great Wall darunter liegen und jüngere E-Hersteller wie Nio, XPeng und Li Auto weiterhin negative Werte aufweisen.
Interessant ist laut den CAM-Analysten vor allem die Position einiger stark internationalisierter chinesischer Hersteller wie Chery, BYD und Geely. Chery erzielt mit 7,8 Prozent die höchste EBIT-Marge unter den untersuchten chinesischen Herstellern und liegt im Gesamtvergleich der betrachteten Automobilhersteller lediglich hinter Suzuki mit 10,1 Prozent. Es folgen BYD mit 4,3 Prozent, SAIC mit 3,4 Prozent, Great Wall Motor mit 3,2 Prozent und Geely Auto mit 2,7 Prozent. Demgegenüber weisen insbesondere E-Hersteller wie Nio, XPeng und Li Auto, welche stärker auf den Heimatmarkt fokussiert sind, weiterhin negative operative Margen auf.
Die Profitabilitätsstruktur weist dabei eine auffällige Überschneidung mit der Exportstärke auf. Nach den aktuellen Zahlen der China Passenger Car Association (CPCA) für Januar bis Juni 2026 ist Chery mit 931.557 exportierten Pkw der größte chinesische Pkw-Exporteur (21,9 %), gefolgt von BYD mit 769.330 Fahrzeugen (18,1 %), Geely mit 472.456 (11,1 %), SAIC mit 404.205 (9,5 %) und Great Wall Motor (GWM) mit 256.000 Fahrzeugen (6,0 %). Die fünf größten Exporteure stehen damit zusammen für rund 66,6 Prozent der erfassten chinesischen Pkw-Exporte.
Bei Chery zeigt sich die starke Internationalisierung auch im Umsatz: Von insgesamt 1.357.500 weltweiten Absätzen machten Exporte rund 68,8 Prozent aus, im ersten Halbjahr 2025 belief sich dieser Anteil auf ca. 43,3 Prozent. Auch BYD beschleunigt seine internationale Expansion deutlich. BYD strebt für 2026 noch rund 1,9 bis 2,0 Millionen Fahrzeugexporte an, die aktuell bereits rund 42,5 Prozent des Absatzes betragen (1. Halbjahr 2025 ca. 20,7 %). Für das Jahr 2027 plant der Konzern nach noch unbestätigten Angaben sogar mehr als 2,5 Millionen Einheiten.
Diese Entwicklung gewinnt vor dem Hintergrund des schwächeren chinesischen Heimatmarktes an Bedeutung, der nach CAM-Schätzungen im Jahr 2026 um circa 4 Millionen Pkw auf 19,5 Millionen sinkt. Bereits im ersten Halbjahr 2026 gingen die Pkw-Retail-Sales in China um rund 20,4 Prozent auf 8,8 Millionen Pkw zurück, während die Pkw-Exporte um rund 70,6 Prozent auf 4,28 Millionen Fahrzeuge zulegten. Die Auslandsmärkte werden damit für chinesische Hersteller zunehmend zu einem zentralen Wachstums- und Ergebnisfaktor.
„Die Daten zeigen einen bemerkenswerten Zusammenhang: Einige der größten chinesischen Exporteure gehören gleichzeitig zu den profitableren Herstellern“, erklärt Bratzel. „Gerade Chery ist hierfür ein wichtiges Beispiel. Ein hoher Exportanteil garantiert zwar keine hohe Marge, aber die Internationalisierung gewinnt angesichts des schwierigen chinesischen Heimatmarktes erheblich an strategischer Bedeutung.“
Wettbewerbsdruck verlagert sich zunehmend nach Europa
Die internationale Expansion dürfte den Wettbewerbsdruck auf dem europäischen Automobilmarkt weiter erhöhen. Chinesische Autohersteller haben im 1. Halbjahr 2026 den Neuwagenabsatz in Europa um über 65 Prozent steigern können, wodurch sich der kumulierte Marktanteil von 7 Prozent auf 11 Prozent erhöhte. Auch in Deutschland gewinnen chinesische Marken an Bedeutung. Eine Auswertung kommt für H1 2026 auf rund 6 Prozent Marktanteil chinesischer Marken. Bei den Elektroauto-Zulassungen machten die chinesischen Hersteller rund 10 Prozent aus. Weitere Hersteller stehen vor einer Ausweitung ihrer europäischen Aktivitäten.
Bratzel: „Für die europäischen Hersteller beginnt damit eine neue Wettbewerbsphase. Chinesische Anbieter kommen zunehmend mit Skalenvorteilen, wettbewerbsfähigen Kostenstrukturen und einer breiteren Modellpalette nach Europa. Entscheidend wird sein, ob die etablierten Hersteller ihre Kostenbasis schneller verbessern und gleichzeitig bei Technologie, Software und Produktattraktivität ihre Differenzierung sichern können. Zugleich sollte die Europäische Kommission darauf achten, dass der zunehmende Markteintritt chinesischer Hersteller unter fairen und regelkonformen Wettbewerbsbedingungen erfolgt.“
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