BMW-Entwicklungsvorstand Joachim Post hat in einem Interview mit dem Portal Golem die schon länger von dem Premiumhersteller propagierte Technologieoffenheit bekräftigt. Es sei noch unklar, welcher Antrieb sich im Pkw durchsetze. Gleichwohl treibt die Marke den Ausbau ihres E-Auto-Angebots voran, aktuell mit dem ersten Modell auf einer neuen Plattform.
Die jüngste Batterie-Version des Mittelklasse-SUV X3 ist das erste Modell auf der reinen Elektroauto-Plattform „Neue Klasse“. Danach gefragt, ob er mit dem Feedback und den Vorbestellungen beim iX3 zufrieden sei, sagte der Entwicklungsstand: „Ja, ich bin sehr zufrieden. Nicht nur das positive Echo insgesamt, sondern auch der erfreulich hohe Bestelleingang – sowohl bei Privat- als auch bei Flottenkunden – stimmt uns sehr positiv.“
Das Modell komme erst im März zu den Händlern. Viele Kunden hätten also bestellt, ohne dass sie Probefahrten machen konnten. „Das Vertrauen freut uns natürlich“, so Post. Detaillierte Zahlen könne man nicht nennen, aber der Auftragseingang sei „enorm“. Seit der Vorstellung auf der Messe IAA in München im September letzten Jahres sei jeder dritte bestellte vollelektrische BMW in Europa ein iX3.
Der Aufwand für die Entwicklung der Neue-Klasse-Plattform inklusive Software ist für einen Hersteller mit jährlich rund 440.000 Elektroautos hoch. Danach gefragt, ob sich das rechen, verwies Post auf die Synergieeffekte.
„Würden wir die neue Zonen-Architektur mit den vier Superbrains (Rechnern) und die Software nur für ausgewählte Modelle entwickeln, wäre das unbezahlbar. Wir bringen diese Technologien jedoch in alle unserer künftigen Fahrzeuge. Allein in den nächsten zwei Jahren sprechen wir von 40 neuen oder überarbeiteten Modellen über alle Antriebsarten“, so der Entwicklungschef von BMW. „Damit wirken die Skaleneffekte über die kompletten 2,5 Millionen Fahrzeuge, die wir pro Jahr absetzen. So konsequent, wie wir die Neue-Klasse-Technologien ins gesamte Portfolio bringen, haben wir es zuvor noch nicht gemacht.“
Antriebsart der Zukunft laut Post noch offen
Welche Antriebsart sich in den nächsten zehn Jahren durchsetzen wird, lässt sich laut Post nicht sagen. BMWs Strategie sei deshalb seit jeher Technologieoffenheit. „Darum gestalten wir unsere Fahrzeugarchitekturen so, dass wir in der Lage sind, das Bordnetz und das Infotainmentsystem unabhängig vom Antrieb zu realisieren“, erläuterte der Manager.
In diesem Jahr soll die nächste Generation des X5 starten, bei der BMW in der Lage ist, fünf Antriebsarten auf einer Linie zu fertigen. „Das ist für uns als globaler Player wichtig. Der Markt in den USA ist nach wie vor stark verbrennerlastig. In China haben wir eine andere Situation mit dem Schwerpunkt auf Hybrid- und Elektroantrieben.“ Der neue X5 wird erstmals auch als Wasserstoff-Brennstoffzellen-Elektroauto angeboten, bei der Technik kooperiert BMW mit Toyota.
In Deutschland spielt Wasserstoff-Mobilität kaum eine Rolle. Das liegt an den wenigen verfügbaren Modellen und deren Preisen sowie vor allem auch an der mangelnden Tankinfrastruktur. In Korea und Japan spiele Wasserstoff eine ganz andere Rolle, sagte Post. Auch im US-Bundesstaat Kalifornien bestehe hohes Interesse an Wasserstoff. BMW wolle vom Wachstum in diesem Segment profitieren. Für große Fahrzeuge wie den X5 biete sich das an, weil Batterien schwer und kostenintensiv seien.
„Grundsätzlich haben wir beim Wasserstoff die Henne-Ei-Problematik“
„Grundsätzlich haben wir beim Wasserstoff aber noch die Henne-Ei-Problematik, wie früher bei der Elektromobilität“, räumte Post ein. „Als wir seinerzeit den BMW i3 gebracht haben, war die Ladeinfrastruktur noch sehr lückenhaft. Irgendwann müssen Sie Vorreiter sein und neue Technologien anbieten.“ Die Wasserstoffwirtschaft werde entstehen, denn die Industrie benötige das zur Dekarbonisierung – wie auch der schwere Nutzlastverkehr. Sechs-Tonnen-Batterien in einem Lkw seien ökologisch schwierig und kostentechnisch schwer zu realisieren. Zudem steige die Abhängigkeit von Rohstoffen aus Asien. Da biete Wasserstoff eine gute Alternative.
Der Übergang zu alternativen Antrieben dauert länger als zunächst erwartet. BMW sei in der glücklichen Situation, dass es seine Grundmotoren mit der aktuellen Baukastengeneration der Verbrennungsmotoren so entwickelt hat, dass sie für künftige Abgasgesetzgebungen sowie EU-7 weiter optimiert werden können. „Wir haben hocheffiziente Aggregate im Programm, die sich über 48 Volt oder in Kombination mit einem Plug-in-Hybrid mit niedrigen Emissionen und dennoch hoher Performance realisieren lassen“, so Post.
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