Im vergangenen Jahr lockerte die Europäische Union ihre Emissionsvorgaben für die Automobilindustrie, was wohl insbesondere den deutschen Herstellern zugutekam. Laut Berechnungen des Spiegel und der Umweltorganisation ICCT sparte die Branche durch diese Regelung bis zu 4,2 Milliarden Euro an Strafzahlungen an die EU.
Eigentlich hätten die Autohersteller 2025 den CO2-Ausstoß ihrer Neuwagen gegenüber 2021 um 15 Prozent senken müssen. Doch im Juni gewährte die EU den Herstellern eine Fristverlängerung bis 2027, um zu hohe CO2-Flottenwerte in einem Jahr durch Ausgleich in einem anderen Jahr zu kompensieren. Ab Ende 2027 müssen Hersteller für jedes Gramm CO2, das ihre Flotten im Durchschnitt der Jahre 2025 bis 2027 über der Zielvorgabe liegen, 95 Euro pro Fahrzeug zahlen.
Besonders der Volkswagen-Konzern profitierte der Spiegel-Auswertung zufolge von dieser Lockerung und konnte so zwei Milliarden Euro an Strafzahlungen vermeiden. Mercedes erreichte seine CO2-Ziele nur durch Kooperationen mit sogenannten Pool-Partnern wie Smart und Volvo, deren Neuwagenflotten niedrigere Emissionen aufwiesen und daher Verschmutzungsrechte an Mercedes verkaufen konnten. BMW hingegen unterbot die Vorgabe bereits im vergangenen Jahr, was vor allem auf den hohen Elektro-Anteil von 27 Prozent in seiner Flotte zurückzuführen ist.
„Die vermiedenen Strafzahlungen sind hypothetisch, schließlich konnten die Hersteller den Großteil des Jahres ohne das Damoklesschwert einer Strafe planen“, merkt der Spiegel an. Volkswagen etwa habe sich keinem Emissionspool angeschlossen – offenbar in der Erwartung, den Rückstand in den Folgejahren selbst aufholen zu können. „Die Hersteller hätten wohl jedes andere Mittel ausgeschöpft, bevor sie Strafen akzeptiert hätten“, so ICCT-Europachef Peter Mock.
So aber, vermutet Mock, hat die Industrie als Ganzes ihre Bemühungen, mehr Elektroautos zu verkaufen, zurückgefahren. Wäre die Kommission bei der Strafandrohung für 2025 geblieben, hätte die Industrie nach ICCT-Schätzung 500.000 E-Autos mehr in der EU zugelassen. Statt die Strafen hinzunehmen, hätten Hersteller dann etwa höhere Rabatte auf ihre E-Autos und Plug-in-Hybride geboten, um den Absatz anzukurbeln.
Insgesamt lag der Elektro-Anteil der Industrie 2025 bei 19 Prozent der verkauften Neuwagen – ein Rekordwert. Mock schätzt, dass der E-Marktanteil ohne Strafnachlass um bis zu 7 Prozentpunkte höher gelegen hätte. „Das unterstreicht die Bedeutung verlässlicher Regeln“, sagt der ICCT-Geschäftsführer.
Die Lockerung der Emissionsvorgaben für die kommenden Jahre ist nicht die einzige Änderung: Im Dezember gab die EU bekannt, das ursprünglich für 2035 geplante Verbot der Neuzulassungen von fossil betriebenen Verbrennungsmotoren kippen zu wollen. Die neue Regelung sieht vor, dass die CO2-Emissionen bis 2035 um 90 statt 100 Prozent gesenkt werden müssen. Diese Anpassung ermöglicht es, auch weiterhin neue Hybrid- und Benzinfahrzeuge oder Elektrofahrzeuge mit Benziner als Stromgenerator an Bord, sogenannte Range Extender, zuzulassen.
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