Die Festkörperbatterie-Technologie steht derzeit an einem entscheidenden Wendepunkt, wie die Automobilwoche unter Berufung auf ein darauf spezialisiertes US-Unternehmen berichtet. Siyu Huang, CEO des Startups Factorial, sieht darin eine historische Chance für Automobilhersteller aus den USA und Europa, technologisch an die führenden asiatischen Wettbewerber heranzurücken.
Factorial setzt dabei auf eine Strategie zur Beschleunigung der Industrialisierung. Durch die Umrüstung bestehender Fabriken, die bisher für Lithium-Ionen-Batterien mit noch flüssigem Elektrolyten genutzt wurden, sollen Festkörper-Akkus produziert werden. Laut Factorial kann dieser Ansatz die Investitionskosten im Vergleich zu einem Neubau um bis zu 80 Prozent senken.
Factorial arbeitet bereits mit namhaften Partnern zusammen. Zu den Kooperationspartnern gehören Mercedes-Benz und Stellantis sowie das kalifornische Unternehmen Karma Automotive. Letzteres plant, die Batterien von Factorial in einem Ende 2027 startenden Elektro-Coupé einzusetzen. Erfolgreiche Straßentests wurden bereits durchgeführt: Ein modifizierter elektrischer Mercedes EQS legte schon vor einem Jahr über 1200 Kilometer mit einer Ladung zurück.
Trotz der Fortschritte stehen der Serienreife noch technische Hürden gegenüber. Dazu zählen die Herausforderungen bei der Herstellung sowie die Haltbarkeit des Elektrolyten und hohe Betriebstemperaturen. Aktuell gibt es noch keine Serienfahrzeuge, die mit echten Festkörperbatterien ausgestattet sind.
Huang prognostiziert gegenüber der Automobilwoche für den Batteriemarkt bis zum Jahr 2030 eine Aufteilung in zwei Segmente. Während demnach kostengünstige Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) und zunehmend Natrium-Ionen-Chemie den Einstiegsmarkt prägen werden, soll das Hochleistungssegment auf Festkörperbatterien umstellen. Hier stünden Faktoren wie Energiedichte, Sicherheit und Ladegeschwindigkeit im Fokus.
Der Fokus von Factorial verlagert sich laut der Chefin nun von der Validierung hin zur Industrialisierung. „Ein Durchbruch ist nur dann von Bedeutung, wenn er in großem Maßstab umgesetzt werden kann“, so Huang. Die entscheidende Frage für die Branche sei mittlerweile nicht mehr die Leistungsfähigkeit der Technologie, sondern deren Zeitplan und der benötigte Kapitalaufwand.
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