Die Erprobung des zukünftigen Formel-E-Rennwagens von Porsche läuft auf Hochtouren. Der vollelektrische Monoposto nach den Regeln der vierten Formel-E-Fahrzeuggeneration befindet sich seit November im Testbetrieb.
Mit 600 kW (816 PS) Leistung, permanentem Allradantrieb, neuen Reifen und deutlich mehr Abtrieb bringt die sogenannte Gen4 der Elektroauto-Rennserie Formel E den bislang größten Performance-Fortschritt mit sich. „Die Grenzen jedoch verschieben die eigens von Porsche entwickelten Fahrzeugkomponenten“, sagt der Sportwagenhersteller.
Porsche nimmt seit der Saison 2019/2020 an der Formel E teil. Die für die Gen4 entwickelten Fahrzeugkomponenten sollen bei verlängerter Lebensdauer leichter sein, höhere Leistungen erzielen und obendrein Kosten sparen. Vorerst bleibt Porsche Motorsport bis Oktober Zeit, sein bislang umfangreichstes Hardware-Paket für die Stromer-Rennserie möglichst weit zu entwickeln. Anschließend rückt die kontinuierliche Optimierung der Software in den Fokus.
„In vielerlei Hinsicht ähneln die Entwicklungszyklen in der Rennserie denjenigen für die Sportwagen von Porsche – unter Extrembedingungen“, erklärt das Unternehmen. „In der Formel E entwickeln wir vor allem diejenigen technischen Umfänge, die für unsere Sportwagen relevant sind“, so Thomas Laudenbach, Leiter Porsche Motorsport. „Das ist einer der Gründe, weshalb wir in der Formel E starten.“ Mit Einführung der Gen4 vergrößern sich diese Umfänge im Wesentlichen um zwei Komponenten: den Gleichspannungswandler und das Brake-by-Wire-System.
Bereits bisher zu den Eigenentwicklungen gehörten: Betriebssoftware, Pulswechselrichter, E-Motor, Getriebe, Differenzial, Antriebswellen und weitere Antriebskomponenten an der Hinterachse sowie Kühlungs-, Träger- und Aufhängungskomponenten an der Hinterachse.
„Wirkungsgrad unseres Antriebsstrangs liegt bei über 97 Prozent“
„Beim aktuellen Fahrzeug liegt der Wirkungsgrad unseres Antriebsstrangs bei über 97 Prozent. Von der Batterie bis zum Rad verpuffen weniger als drei Prozent der eingesetzten Energie, was nahe der Perfektion liegt – ein Vorteil des E-Antriebs. In unserem Lastenheft für die Gen4 standen neben der Effizienzsteigerung der Antriebskomponenten Potenziale bei Gewicht, der Dauerhaltbarkeit und den Kosten – ähnlich wie bei EVs für die Straße“, erklärt Florian Modlinger, Gesamtprojektleiter Formel E bei Porsche.
„Gleichzeitig sprechen wir bei 600 kW von 71 Prozent mehr Leistung im Attack Mode. Insgesamt finde ich, dass wir von einer Revolution reden dürfen. Das Fahrzeug mit seiner Beschleunigung erstmals auf der Strecke gesehen zu haben, war eine Freude. Mein Dank gilt der Entwicklungsmannschaft in Flacht für diesen Meilenstein im Projekt.“
Bis Mitte Januar sammelte der Gen4-Porsche Testkilometer auf den Rundkursen von Monteblanco und Almería in Spanien. Ein Großteil der Entwicklungs- und Testarbeit jedoch fand und findet im Simulator statt – das spart Ressourcen und Kosten.
Modlinger: „2024 begann die Konzeptphase. Noch im selben Jahr stiegen wir in die Simulatorarbeit ein. Das Projekt begann also während der Saison 10, als wir noch mit der Vorgängerversion des aktuellen Gen3 Evo unterwegs waren, dem Gen3. Damals kämpften wir bis zum Schluss um alle drei Titel, holten mit Pascal die Fahrer-WM – und entwickelten parallel den Gen3 Evo. Wir arbeiten agil wie in den Serienprojekten: Man betreibt das vorhandene Fahrzeug, bringt das Facelift auf den Markt und konzipiert bereits die nächste Generation. Bloß sind unsere Zyklen kürzer und unsere Budgets kleiner – bei maximalem Erfolgsdruck. Schließlich bestreiten wir eine FIA-Weltmeisterschaft für Porsche.“
In der frühen Testphase konzentrierten sich die Arbeiten am Entwicklungsfahrzeug auf den zuverlässigen Betrieb und das Zusammenspiel aller Komponenten. Nach und nach sei die Performance in den Fokus gerückt. Wegen der streng limitierten Testtage in der Formel E erfolgte die Validierung mancher Erkenntnisse im Simulator. Auch das Porsche-Kundenteam testete das neue Fahrzeug, bevor der Automobilweltverband FIA den Baustand im Herbst homologiert.
Zum Artikel Neuer Formel-E-Porsche der Gen4 „verschiebt Grenzen“ auf ecomento.de
Automobile Magazine-Germany

























