BMW-Chef Zipse warnt vor Scheinlösung bei EU-CO₂-Flottengesetzgebung

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Die EU-Kommission hat verkündet, das „Verbrenner-Aus“ kippen zu wollen. Das Null-Emissionsziel für Pkw im Jahr 2035 soll abgeschwächt werden. Das neue Ziel ist, die CO2-Emissionen um 90 Prozent zu reduzieren. Das geht insbesondere auch auf deutsche Automanager wie BMW-Chef Oliver Zipse zurück, die sich für Technologieoffenheit stark gemacht haben. Die angepassten Pläne der EU-Politiker gefallen Zipse aber nur bedingt.
„Ich sehe Licht und Schatten“, sagt Zipse im Gespräch mit dem Handelsblatt. Positiv sei, dass die EU-Kommission Abstand davon nimmt, die Zukunft der Mobilität über Technologieverbote zu gestalten. Sie erkenne damit die Zukunftsfähigkeit des Verbrennungsmotors an. Das sei ein erster Schritt auf dem Weg zu einer wirksamen CO2-Regulierung, die gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärke.
Es gebe aber auch Punkte, die deutlich hinter den Erwartungen bei BMW geblieben sind. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass die Betrachtung des gesamten CO2-Fußabdrucks der richtige Weg ist. Denn: Jede Tonne CO2 zählt – egal wo, wie und an welcher Stelle des Fahrzeuglebenszyklus sie eingespart wird.“

Mit der Berücksichtigung von grünem Stahl und nachhaltigen erneuerbaren Kraftstoffen habe die EU-Kommission zwei wichtige Elemente einbezogen, die BMW immer gefordert habe. Der Vorschlag greife trotzdem zu kurz und wirke auch noch zu spät. „Wenn diese Maßnahmen erst ab 2035 greifen, dann lassen wir damit große Potenziale zur CO2‑Reduzierung ungenutzt, die wir schon heute realisieren könnten“, so Zipse.
Kleine Elektroautos werden auch gefördert. Hier bemängelt der BMW-Chef die Regulierung über die Fahrzeuglänge (bis zu 4,2 m) als „willkürlich“. Man reguliere den Wohnungsmarkt ja auch nicht nach Quadratmeterzahlen. Und mit Blick auf die Herkunftsvorgaben müsse die EU-Kommission aufpassen, „dass sie sich mit dieser protektionistischen Maßnahme nicht ins eigene Fleisch schneidet“. Denn sie ignoriere damit die globale Wertschöpfung, die insbesondere für E-Autos essenziell sei. „Es wäre fatal, wenn die EU, deren wirtschaftlicher Erfolg so stark vom Export abhängt, diesen Weg gehen würde.“
„Verbrennerverbot durch die Hintertür“
Auch die geplante Regelung für betriebliche Flotten kritisiert der BMW-Chef. „Es ist absurd, dass die EU-Kommission Technologieneutralität zum Leitprinzip erklärt – aber gleichzeitig über die Flottenregulierung in wichtigen Märkten doch ein Verbrennerverbot durch die Hintertür erzwingt“, so Zipse. In Deutschland, dem mit Abstand größten Markt in Europa, dürften Unternehmen ab 2035 kaum noch Flottenfahrzeuge mit Verbrennungsmotor neu zulassen. Das gehe komplett an der Marktrealität und an den Bedürfnissen der Kunden vorbei.
„Und mit der Einführung der rigiden Elektrifizierungsquoten für die einzelnen Länder nimmt sich die EU-Kommission selbst aus der Pflicht und wälzt stattdessen die Verantwortung auf die Mitgliedstaaten, die Hersteller und die Unternehmen als Flottenbetreiber ab“, erklärt der Manager. Das sei „ausgesprochen bedenklich“.
Nun müssen noch Parlament und Mitgliedstaaten dem von der EU-Kommission erarbeiteten Paket zustimmen. „Der weitere Prozess der CO2-Flottengesetzgebung muss jetzt sicherstellen, dass es nicht zu einer Scheinlösung kommt, sondern Europa den Weg aus der regulatorischen Sackgasse findet“, fordert Zipse. „Parlament und Rat müssen ihrer Schlüsselrolle gerecht werden: Sie sind die Vertreter ihrer Bürger und der Mitgliedstaaten in der EU. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass sie die Marktrealitäten und Kundenbedürfnisse anerkennen und entsprechend berücksichtigen werden.“
Die EU-Kommission formuliere nur Vorschriften für das Fahrzeugangebot, aber sie gebe keine Antworten auf andere entscheidende Fragen für den Hochlauf der E-Mobilität in Europa, kritisiert der BMW-Boss. „Wie wird sichergestellt, dass Europa sich nicht noch tiefer in eine einseitige Rohstoffabhängigkeit begibt? Wie ist der Plan, um die Ladeinfrastruktur in Europa flächendeckend auf- und auszubauen? Und welche Schritte werden unternommen, um die Kosten für das elektrische Fahren, das maßgeblich vom Strompreis abhängt, zu senken?“
Mit Blick auf die Elektro-Strategie des bayerischen Premiumherstellers erklärt der CEO, dass der Konzern schon heute eines der größten Angebote an vollelektrischen Modellen im Wettbewerb habe. Mit der in diesem Jahr gestarteten Elektroauto-Plattform „Neue Klasse“ werde BMW das Angebot noch weiter ausbauen. Gleichzeitig mache man „all unsere anderen Antriebe immer effizienter und fügen 2028 mit der Wasserstoff-Brennstoffzelle sogar noch eine weitere Antriebsform hinzu“.
In Europa hätten bereits heute über 40 Prozent der BMW-Fahrzeuge einen Stecker, jedes vierte fahre dort schon vollelektrisch, unterstreicht Zipse. Rund zwei Drittel des Absatzes mache man heute außerhalb der EU. „Deshalb sind wir mit unserem technologieneutralen Ansatz bestmöglich aufgestellt, um auch in Zukunft in der EU und dem Rest der Welt gleichermaßen erfolgreich zu sein.“

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