Analyse: Europas Elektro-Ziel 2035 ist kaum erreichbar

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Im Streit um das 2035-Verkaufsverbot für neue, fossil betriebene Verbrennerfahrzeuge prallen in Europa nationale Industrieinteressen auf die regionalen Klimaziele. Laut Analysten der Allianz wird sich der Kontinent nicht vor 2040 vollständig elektrifizieren lassen.
Deutschland und Italien drängen demnach auf eine Verschiebung des Zeitplans und flexiblere CO₂-Regeln, da ihre stark exportorientierten Hersteller unter steigenden Kosten, sinkender Nachfrage und neuen Hürden auf dem Weltmarkt leiden. Frankreich und Spanien lehnen eine Änderung ab, weil sie ein entmutigendes Signal an Investoren und um die Glaubwürdigkeit des europäischen Klimaplans fürchten.
Das Gewicht der Autobranche in den Volkswirtschaften erklärt den Konflikt: In Deutschland stehen über 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und 800.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, in Italien rund 6 Prozent. Frankreich und Spanien sind mit unter 3 Prozent deutlich weniger abhängig. Zugleich sehen sich deutsche und italienische Hersteller, die stark vom Export abhängig sind, im Ausland mit schwierigeren Aussichten für Elektroautos konfrontiert. Die USA haben im September die Kaufanreize für Stromer eingestellt, während europäische Marken sowohl in China als auch in Europa Schwierigkeiten haben, mit chinesischen Stromern zu konkurrieren, die fortschrittliche Technologie zu teils sehr wettbewerbsfähigen Preisen bieten.

Angesichts sinkender Rentabilität und schwindender Barreserven zögern deutsche Autohersteller weiter, sich voll auf eine rein elektrische Zukunft festzulegen. Die Rendite erscheint nicht attraktiv genug, um den jüngsten Kostenanstieg aufgrund neuer US-Zölle und industrieller Überkapazitäten in Europa auszugleichen.
Die kurzfristigen Sorgen der Industrie drohen laut dem Bericht den strategischen Blick zu verstellen. Die EU werde voraussichtlich weder bis 2035 vollständig elektrisch fahren noch damit ihr Ziel einer Klimaneutralität bis 2050 einhalten können. Aus heutiger Sicht sei das Elektro-Ziel angesichts der Zulassungen von E-Autos und dem Aufbau öffentlicher Ladestationen erst 2041 erreichbar – im günstigeren Fall 2037, falls die EU bis 2030 die vorgesehenen 3,5 Millionen öffentlichen Ladepunkte errichtet.
Infrastrukturdefizite gefährden Elektro-Umschwung
Um 2035 zu schaffen, wären deutlich stärkere staatliche Impulse nötig – beim Ausbau der Ladeinfrastruktur, bei den Lieferketten sowie bei der Stabilisierung der Neuwagennachfrage. Doch angesichts knapper Haushalte und angeschlagener Autohersteller erscheine dies unwahrscheinlich, so die Analysten.
Zwar legen Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride in einem ansonsten stagnierenden Markt zu, doch die Dynamik reicht nicht aus. Reine Stromer schaffen es zwar bereits auf Platz drei der Antriebsarten und überholen Diesel, werden aber durch die starke Nachfrage nach Hybriden ausgebremst, die inzwischen zur beliebtesten Antriebskategorie in der EU avanciert sind.
Der Ausbau der Infrastruktur bleibt die kritische Stellschraube. Ohne breite Investitionen in Ladepunkte, Parkflächen, Service- und Netzkapazitäten dürfte der E-Fahrzeug-Anteil stagnieren. Das zeigt der Vergleich mit den nordischen Staaten, wo ein dichteres Netz mit der höchsten Stromer-Durchdringung einhergeht.
Ende des Jahres dürfte die EU etwa 1,1 Millionen Ladestationen erreichen – nicht einmal ein Drittel des 2030-Ziels. Der Ausbau hat sich zudem auf die schwächste Dynamik seit 2019 verlangsamt. Die Infrastruktur ist zudem ungleich verteilt: 56 Prozent aller Ladepunkte liegen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, während mehr als 80 Prozent der Länder unter dem EU-Durchschnitt liegen.
Um die 2030-Ziele zu erfüllen, müssten die Installationen jährlich um 26 Prozent wachsen, so die Studienautoren. Das liege unter dem Tempo der vergangenen Jahre, erfordere jedoch koordiniertes Handeln, um nationale Unterschiede zu verringern und ein ausgewogenes, leistungsfähiges europäisches Ladenetz zu schaffen.
Technologischer Rückstand droht sich zu verfestigen
Parallel droht Europa technologisch weiter zurückzufallen. Zwar ist die Preislücke zwischen Verbrennern und Elektroautos stark geschrumpft und liegt inzwischen laut den Analysten in Europa und den USA unter 20 Prozent, doch der Nachfrageimpuls bleibt aus. Ein Zurückrudern bei den Klimazielen könnte den Rückstand weiter vergrößern, da es dem Bericht zufolge das falsche Signal an den Markt senden und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit schwächen würde.
„Die Automobilhersteller haben Schwierigkeiten, die richtige Formel zu finden, um das Umsatzrisiko im sehr profitablen Verbrennungsmotoren-Segment zu reduzieren“, so die Analysten. „Jahrelange Unterinvestitionen im Vergleich zu internationalen Wettbewerbern – insbesondere amerikanischen und japanischen – haben zu einer wachsenden Technologielücke geführt, sodass Europa bei der Versorgung mit Batterien und wichtigen Komponenten für Elektrofahrzeuge stark von China abhängig ist.“
Diese Abhängigkeit schränke die Fähigkeit Europas ein, den Erwartungen der Kunden gerecht zu werden. Elektrofahrzeuge, die eine große Reichweite, erschwingliche Preise und bewährte Zuverlässigkeit vereinen, seien nach wie vor selten.
Vor diesem Hintergrund birgt eine Abkehr vom CO2-Rahmenwerk den Studienautoren zufolge „die Gefahr, falsche Signale zu senden, und könnte sich langfristig als kontraproduktiv für die gesamte Branche erweisen, indem sie das Vertrauen des Marktes untergräbt und die Kluft zu globalen Konkurrenten vergrößert, die von klareren Strategien und einer stärkeren finanziellen Unterstützung profitieren“.

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