Der Volkswagen-Konzern richtet seinen Kurs angesichts schwacher Rendite, hoher Investitionen und vernderter Mrkte neu aus. CEO Oliver Blume beschreibt in einem ausfhrlichen Interview mit dem Manager Magazin keinen pauschalen Einschnitt, sondern einen konzernweiten Umbau ber Marken und Kostenbereiche hinweg. Als Belastungen nennt er Zlle in den USA, starken Wettbewerb in China, den kleineren europischen Markt und den Krieg im Nahen Osten. Das ist die neue Normalitt.
Die Produkte sieht Blume weiterhin wettbewerbsfhig, die Ertragslage aber als unzureichend. Die operative Umsatzrendite von 2,8 Prozent im Jahr 2025 reiche nicht aus, um die umfangreichen Investitionen aus eigener Kraft zu finanzieren. Deshalb arbeitet der Konzern an einem Programm, das Volkswagen auch bei geringem Marktwachstum erfolgreich halten soll.
Beim Personalabbau verweist Blume auf bereits eingeleitete Manahmen. Bei VW, Audi, Porsche und der Software-Tochter Cariad htten rund 30.000 Beschftigte Vertrge fr einen sozialvertrglichen Abschied unterschrieben. Fr Deutschland bleibt es aktuell bei rund 50.000 Stellen bis 2030.
„Deshalb bringen wir zustzliche Sicherheit und Robustheit in unsere Planung“
Zugleich soll der Konzern robuster gegenber schwankenden Absatzmengen werden. Blume will den Break-Even-Punkt weiter senken, damit Volkswagen auch mit geringeren Stckzahlen profitabel bleibt. 2019 verkaufte der Konzern ber alle Marken hinweg elf Millionen Fahrzeuge, seit Corona liegt der Durchschnitt laut dem CEO bei neun Millionen. Wachstum bleibt ein Ziel, soll aber nicht mehr die Grundlage der Planung sein.
Dafr passt Volkswagen seine Kapazitten weiter an. In China wurde nach Blumes Angaben bereits Werkskapazitt von mehr als einer Million Fahrzeugen pro Jahr aus dem System genommen, in Europa sollen bis 2028 vor allem bei Volkswagen und Audi ebenfalls rund eine Million folgen. Hinzu kommt die Prfung von bis zu einer weiteren Million Kapazitt. Damit wrde der Konzern von mehr als zwlf Millionen investierten Kapazitten auf nachhaltig neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr kommen.
„Intelligentere Methoden, als ein Werk zu schlieen“
Werksschlieungen stellt Blume dabei nicht in den Vordergrund. Fr Osnabrck verweist er auf die 2024 getroffene Entscheidung, die Produktion von VW-Fahrzeugen im nchsten Jahr zu beenden. Fr das Werk laufen Verhandlungen mit Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie, die den Standort nutzen und die Beschftigten weiter beschftigen knnten. Es gibt intelligentere Methoden, als gleich ein Werk zu schlieen, sagt der Volkswagen-Boss.
In Europa hat Volkswagen die CO-Ziele zuletzt regelmig verfehlt. Fr die drei Jahre von 2025 bis 2027 wurden eine halbe Milliarde Euro fr Kompensationszahlungen zurckgestellt. Blume sieht sich dennoch auf Kurs: 27 Prozent Marktanteil bei den Elektrofahrzeugen 2025, klare Nummer eins im Markt das sehe ich nicht als Schwche, erklrt er. Der E-Marktanteil sei 2025 sogar hher als bei den Verbrennern gewesen. Das CO-Ziel erreichen wir bislang trotzdem nicht, weil die Menschen in Summe noch zu wenig Elektroautos kaufen. Wir brauchen von der Politik am Markt orientierte Ziele, die das Marktvolumen und den langsameren Hochlauf der Elektromobilitt bercksichtigen. Wichtig wren etwa besondere Anreize fr kleine E-Fahrzeuge. Hier schlgt die EU-Kommission Super-Credits vor, die ich sehr untersttze.
Die Komplexitt im Angebot soll sinken. Volkswagen bietet derzeit weltweit rund 150 Modelle an, der Zielkorridor liegt bei unter 100. Das soll ber Marken, Regionen und Segmente geplant werden, zugleich soll das Angebot bei Varianten strker fokussiert werden. Als Beispiel fr knftige Synergien nennt der Konzernchef den ersten elektrischen Audi A4 auf gemeinsamer Plattform mit dem hnlich groen VW Passat. Bei der Electric Urban Car Family von VW, Skoda und Cupra rund um den ID.Polo sollen ber die Laufzeit rund 600 Millionen Euro an Synergien entstehen.
Beim Renditeziel bleibt der Volkswagen-Vorstand bei 8 bis 10 Prozent bis 2030. Blume bezeichnet dieses Niveau als ambitioniert. Der Aufsichtsrat habe ihn Ende des vergangenen Jahres gebeten, seinen bis 2028 laufenden Vertrag bis 2030 zu verlngern – er habe zugestimmt. Negative Stimmung der Familien Porsche und Pich gegen seine Person nehme er nicht wahr.
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