Das Landgericht Wuppertal hat entschieden, dass eine deutlich geringere Reichweite bei Elektroautos einen erheblichen Mangel darstellen kann. In einem konkreten Fall wurde ein technischer Defekt an den Batteriezellen festgestellt, der zu einer vorzeitigen Alterung führte. Betroffene Käufer haben in solchen Fällen die Möglichkeit, das Fahrzeug zu reklamieren und unter Umständen zurückzugeben.
Die offiziellen Reichweitenangaben basieren auf dem standardisierten WLTP-Messverfahren unter Laborbedingungen. Diese Werte dienen der Vergleichbarkeit von Fahrzeugen, spiegeln jedoch nicht den realen Straßenverkehr wider. Faktoren wie extreme Hitze, die Nutzung der Klimaanlage oder Heizung im Winter können den Verbrauch und damit die Reichweite spürbar beeinflussen.
„Das Problem ist, dass die offizielle Reichweite von Elektroautos ein Idealwert ist. Ermittelt wird er im standardisierten Messverfahren WLTP unter Laborbedingungen, die mit dem echten Straßenverkehr wenig zu tun haben“, erklärt Gregor Kolbe, Mobilitätsexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband, der Zeit.
Für eine rechtliche Durchsetzung ist ein technischer Nachweis notwendig, so Kolbe. „Eindeutig nachweisen kann das aber nur ein unabhängiger Sachverständiger. Er prüft auch, ob die Batterie defekt ist und nicht mehr die volle Kapazität hat.“ Ohne ein solches Gutachten sei eine Reklamation vor Gericht schwierig.
Zur Vorbereitung eines Anfangsverdachts kann laut dem Experten eine genaue Dokumentation hilfreich sein. Fahrer sollten Kilometerstände, Akkustände, Außentemperaturen sowie die Fahrweise und die genutzten Straßenarten protokollieren. Laut ADAC liegt die tatsächliche Reichweite von Elektroautos im Durchschnitt etwa 15 bis 20 Prozent unter den offiziellen Angaben.
Unterschiedliche Abweichungen zwischen WLTP-Werten und Realität hängen auch von technischen Merkmalen wie dem Vorhandensein einer Wärmepumpe oder der Effizienz der Energierückgewinnung ab. Kolbe betont, dass das aktuelle Gerichtsurteil einen Einzelfall mit technischem Defekt behandele.
Um Enttäuschungen zu vermeiden, sei eine transparente Kommunikation der Hersteller wichtig. Informationen darüber, wie sich Geschwindigkeit oder Temperatur auf die Reichweite auswirken, sowie realistische Angaben zur nutzbaren Kapazität beim Laden auf 80 Prozent könnten für Verbraucher hilfreich sein.
Zum Artikel Verbraucherzentrale-Experte ordnet Urteil zur geringen E-Auto-Reichweite ein auf
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