BMW-Manager: „Sie wissen jetzt nicht, was der Kunde in fünf Jahren haben will“

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BMW plant den Einstieg in die Wasserstofftechnologie und will 2028 ein Brennstoffzellenauto auf den Markt bringen. Das BMW-Werk in Steyr steht unter der Leitung von Harald Gottsche, der die gesamte Antriebsproduktion des Unternehmens verantwortet. In einem Gespräch mit Der Standard betonen Gottsche und Alexander Bamberger, verantwortlich für den Vertrieb bei BMW Austria, dass die E-Mobilität mittlerweile alltagstauglich sei, und sie setzen sich für die Entwicklung der Wasserstofftechnologie ein.
Gottsche erklärte, dass der Energiekonzern OMV die Wasserstofftankstellen geschlossen habe, weil es zu wenig Fahrzeuge gebe, die Wasserstoff nutzen. Er argumentiert, dass BMW nun das Auto entwickle, um zu demonstrieren, wie es funktioniert, was letztlich den Aufbau einer Infrastruktur anstoßen solle. „Wir glauben, dass gerade über die Lastwägen Wasserstoff in den Verkehr kommen wird“, so der Manager.
Wasserstoff hat laut Gottsche großes Potenzial, nicht nur im Verkehr, sondern auch in der Industrie, insbesondere bei der Herstellung von grünem Stahl. BMW hat das Werk in Leipzig an eine Wasserstoffpipeline angeschlossen, was die Bedeutung von Wasserstoff als Speicher für überschüssige erneuerbare Energie unterstreicht. Gottsche erklärte, dass es eine „Mammutaufgabe“ sei, diese Vision umzusetzen, aber das Gesamtkonzept sei äußerst attraktiv. Bamberger sieht in Wasserstoff eine Möglichkeit für Europa, sich von Drittstaaten wie Asien unabhängig zu machen, da Wasserstoff lokal aus erneuerbarer Energie erzeugt werden könne.

Wasserstoff in Fahrzeugen sei zwar heute noch nicht der beste Weg, um Energie zu nutzen, aber Gottsche betonte, dass man jetzt investieren müsse, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Er verwies auf die Kritik an der Autoindustrie in Europa, als man die Elektromobilität zu spät aufgriff. Dann habe die Branche aber Milliarden abschreiben müssen. „Wichtig ist immer die Frage des Timings – und welche Perspektive habe ich?“, sagte Gottsche.
BMW pocht weiter auf Flexibilität
Die aktuellen Elektroautos wie der iX3 seien bereits sehr ausgereift. Und das größte Hindernis für eine breitere Akzeptanz sei noch immer die Ladeinfrastruktur, besonders in städtischen Gebieten, so Bamberger. Er wies darauf hin, dass eine bessere Ladeinfrastruktur und eine Lösung für Menschen ohne eigenes Haus die nächste Herausforderung seien. Neben der Ladeinfrastruktur gibt es auch Bedenken hinsichtlich der Tarife an Ladesäulen, die laut dem Manager noch zu intransparent sind.
Die Automobilindustrie steht weiterhin unter Druck, wettbewerbsfähig zu bleiben, insbesondere angesichts der Verhandlungen über Mindestpreise für importierte Autos aus China. Bamberger erklärte, dass BMW derzeit die Auswirkungen dieser Verhandlungen bewertet. Gottsche betonte, dass die Industrie in Europa flexibel bleiben müsse, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein, und dass der Verbrennungsmotor in Kombination mit CO2-neutralen Kraftstoffen eine Zukunft habe. „Für die Autoindustrie geht es darum, dass wir in Europa wettbewerbsfähig bleiben“, so Gottsche.
BMW verfolgt eine Strategie der Technologieoffenheit, um global wettbewerbsfähig zu bleiben. In Ländern wie China, wo der Elektromarkt stark wächst, bleibt der Verbrennungsmotor vor allem im oberen Preissegment gefragt. Gottsche erklärte, dass der Elektromotor in der Volksrepublik hauptsächlich mit günstigeren Fahrzeugen verbunden werde, während in Europa und anderen Regionen die Nachfrage nach Elektromobilität weiter wachse.
„Für den Kunden geht es am Ende des Tages darum, seine Bedürfnisse der individuellen Mobilität aufrechtzuerhalten mit der Entscheidung, zu sagen: Ich kaufe mir ein elektrisches Auto, einen Plug-in-Hybrid, einen Diesel, einen Benziner oder in Zukunft Wasserstoff“, so Bamberger. „Sie wissen jetzt nicht, was der Kunde in fünf Jahren haben will“, unterstrich Gottsche. „Entscheiden Sie sich falsch, ist es extrem teuer und dann werden Sie scheitern. Deswegen lieber mühsam und viel arbeiten und dafür Erfolg haben, als jetzt sich die Arbeit leichter zu machen, auf ein Pferd zu setzen und dann zu scheitern.“

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