Ohne flächendeckende und wirtschaftlich tragfähige Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern werde sich die Elektromobilität nicht durchsetzen, warnt der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW). Die von der Bundesregierung angekündigte neue Elektroauto-Kaufprämie wird laut Verbandsdirektor Hans Maier an der Situation nicht viel ändern, wenn nicht gleichzeitig Ladepunkte in Mehrfamilienhäusern gefördert werden.
Nach Zahlen der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur gibt es in Deutschland 21 Millionen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit zusammen 8,9 Millionen dazugehörigen Auto-Stellplätzen. Der Gesamtverband der deutschen Wohnungswirtschaft schätzt, dass weniger als zehn Prozent dieser Gebäude mit Wallboxen oder Ladepunkten ausgestattet sind. Das liegt unter anderem an der Technik: So sind Starkstromanschlüsse notwendig, die es in den meisten Tiefgaragen nicht gibt.
„Elektromobilität entscheidet sich im Alltag und der beginnt vor der Haustür“, sagte VdW-Direktor Maier laut der Welt. Nach Einschätzung des Verbands wäre eine verlässliche Lademöglichkeit für viele Mieter die Voraussetzung für den Umstieg auf ein E-Auto. Die Zahl der öffentlichen Ladesäulen sei in den Städten gestiegen – das Laden sei dort jedoch meist teurer als für Einfamilienhausbesitzer, die sich eine private Wallbox installieren, häufig in Kombination mit einer Solaranlage auf dem Dach.
„Schnellladen an öffentlichen Säulen ist bequem, aber teuer“, erklärte Claudia Maier, die Vorständin der auf die Installation von Ladepunkten spezialisierten Genossenschaft Isarwatt. Die Einschätzungen decken sich mit einer Analyse des Versicherers HUK Coburg, derzufolge über 80 Prozent der privat zugelassenen E-Autos in Deutschland von Immobilienbesitzern gefahren werden.
Die Bundesregierung will mit ihrer neuen Förderung den Kauf oder Leasing von E-Autos wieder bezuschussen. Vor allem Normal- und weniger Gutverdienende sollen von der Subvention profitieren. Die Stromer-Prämie beträgt abhängig von Einkommen, Kinderzahl und Auto zwischen 1.500 und 6.000 Euro. Die Einkommensgrenze liegt bei 80.000 Euro jährlichem Haushaltseinkommen, mit Zusatzbonus von bis zu 10.000 Euro für zwei Kinder.
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